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Junge Väter in Haft

Projekt: Junge Väter FfF (Fit für Familie)

Wird ein Elternteil inhaftiert, verändert sich das Leben einer Familie wesentlich. Die Familienangehörigen befinden sich in einer schwierigen Lebenssituation, die erheblichen Stress in der Familie hervorruft. Häufig kommt es zu finanziellen Einschränkungen, Ausgrenzung sowie Stigmatisierung. Die bei der Inhaftierung eines Elternteils mitbetroffenen Kinder sind einer großen emotionalen Belastung ausgesetzt. Sozialer Rückzug, Wut und Enttäuschung sowie das Auftreten psychischer Beschwerden und Verhaltensauffälligkeiten können Folge sein. Ungelöste und fortdauernde psychische Probleme mitverursacht durch die Inhaftierung eines Elternteils beeinflussen die soziale und persönliche Entwicklung von Kindern erheblich. Aus Angst vor Stigmatisierung, sozialer Ausgrenzung und Isolation wird die Inhaftierung von vielen Familien sogar vor den Kindern geheim gehalten.

Im Juni 2013 wurde durch die Anstaltsleitung der Jugendanstalt Hameln eine interdisziplinär zusammengesetzte Projektgruppe mit dem Ziel eingerichtet, einen auf die Haftsituation abgestimmten Kurs für junge inhaftierte Väter zu implementieren. Neben internen Kräften sollte der Kurs auch durch Inanspruchnahme externer Kräfte (Jugendamt, Erste Hilfe, Bewährungshilfe und andere Institutionen) mit Expertenwissen angereichert werden.

Der Kurs FfF soll junge Väter dabei unterstützen, ihre familiären Beziehungen während ihrer Inhaftierung zu pflegen, um die Bindung zu Frau und Kind aufrechtzuerhalten oder gar zu verbessern. Ihre Erziehungskompetenz soll, soweit in Haft möglich, gestärkt werden. Sie sollen lernen, gerade aufgrund ihrer besonderen Verantwortung für ihre Familie, ihre Lebensziele differenzierter zu reflektieren. Insgesamt soll eine Verbesserung der protektiven familiären Bindungen durch Erhöhung der Bereitschaft und Fähigkeit zu sozial verantwortlichem Handeln während und außerhalb Vollzug erfolgen und somit die Rückfallgefahrverringert werden(Suhling, St. 2014).

Zwei hauptamtliche Bedienstete mit verschiedenen Aufgabenschwerpunkten und zusätzliche Experten (ein Mitarbeiter des Jugendamtes, einen Ausbilder für Erste Hilfe, einen Pädagoge für das Vorlesen uvm.) gestalten den Kurs.

Der Kurs umfasst zehn bis 10 neunzig minütige Sitzungen (Basis Module). Sie finden einmal pro Woche am späten Nachmittag statt. Der Erste Hilfe-Kurs, das Modul „Für Kinder vorlesen“, das Modul „Gesunde Ernährung“,der Familientag und "Basteln für die Kinder" (Zusatzmodule) werden vornehmlich an Wochenenden durchgeführt. Einzelgespräche erfolgen nach Bedarf und Notwendigkeit insbesondere in Krisensituationen.

Ab 2014 finden jeweils zwei Kurse jährlich statt. Nach der gemeinsamen Weihnachtsfeier im Dezember sind auch für das Jahr 2019 wieder zwei Kurse mit Familientreffen und Weihnachtsfeier geplant.

14.01,.2015
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